"Alles Wissen ist Erinnerung." Thomas Hobbes

Film: "Die Liberale Synagoge: Wenn Steine aus der Mauer schreien"

Zeitzeuge im Liberale Synagoge-Film: Der Ur-Darmstädter Klaus Lingeldein sah die Liberale Synagoge 1938 mit eigenen Augen brennen / Foto: Loungefilm
Zeitzeuge im Liberale Synagoge-Film: Der Ur-Darmstädter Klaus Lingeldein sah die Liberale Synagoge 1938 mit eigenen Augen brennen / Foto: Loungefilm

Hier können Sie den Liberale Synagoge-Film des Darmstädter Filmemachers Florian Steinwandter-Dierks (Loungefilm) sehen:

Ein Dokumentarfilm von Florian Steinwandter-Dierks (2013)

Ein Filmprojekt in enger Zusammenarbeit mit dem FÖRDERVEREIN LIBERALE SYNAGOGE

(c) Florian Steinwandter-Dierks / Loungefilm Darmstadt

Neuer Dokumentar-Film gegen das Vergessen

Ein Kaleidoskop der Darmstädter Stadtgeschichte

Wenn Steine aus der Mauer schreien: Die Liberale Synagoge - Zukunft braucht Erinnerung (2013)

Das Liberale Synagoge-Modell Christian Häusslers: Schlüsselszene aus dem Lib Syn-Film / (c) Loungefilm
Das Liberale Synagoge-Modell Christian Häusslers: Schlüsselszene aus dem Lib Syn-Film / (c) Loungefilm

Regie, Drehbuch und Produktion: Florian Steinwandter-Dierks

 

Historische Fachberatung /Recherchen / Beschaffung der Zeitzeugen / Textredaktion:

Martin Frenzel

 

Sprecher: Christoph Schreiner

 

Ein Loungefilm in enger Zusammenarbeit

mit dem Förderverein Liberale Synagoge Darmstadt e.V.

 

 

Dauer: ca. 30 Minuten / Vertrieb: Loungefilm

 

Über den Filmemacher Florian Steinwandter-Dierks:

Geboren in Darmstadt, Jahrgang 1972), Filmemacher, seit 2007 hauptberuflich Editor beim ZDF und Hessischen Rundfunk, nebenberuflich Filmproduktionsfirma Loungefilm  seit 2002 (u.a. Image-, Corporate- und Schulungsfilme, Web-Videos)

Mehr Infos: www.liberale-synagoge-darmstadt.de

 

 

 

„Wenn Steine aus der Mauer schreien“:

 

Neuer Film über die Liberale Synagoge Darmstadt und gegen das Vergessen

 

Förderverein Liberale Synagoge und Loungefilm präsentieren Dokumentarstreifen  über Geschichte des Jüdischen Gotteshauses und die spannende Wiederentdeckung / Erstmals Zeitzeugen der Darmstädter Novemberpogrome 1938 / Filmisches Kaleidoskop über ein Jüdisches Gotteshaus aus Darmstadt und das Jüdische Darmstadt


Der Förderverein Liberale Synagoge und die Darmstädter Filmproduktionsfirma Loungefilm haben  gemeinsam den neuen 30-minütigen Dokumentarfilm des Darmstädter Filmemachers Florian Steinwandter-Dierks vorgestellt. Titel des neuen, sehenswerten Dokumentarstreifens: „Wenn Steine aus der Mauer schreien: Die Liberale Synagoge – Zukunft braucht Erinnerung“.  „Der Film ist eine besondere Hommage an ein Jüdisches Gotteshaus, die Liberale Synagoge, an den Rabbiner Julius Landsberger und an das nach 1933 vernichtete Jüdische Darmstadt“, so Florian Steinwandter-Dierks (Loungefilm) und Martin Frenzel (Förderverein Liberale Synagoge) unisono.

 Und weiter: „Der eigentliche Star, die wahre Hauptdarstellerin des Films ist kein lebender Mensch, sondern die Liberale Synagoge und sind die Menschen, die bis 1938 dort  ein- und ausgingen.“ Der Film wirke „wie ein Kaleidoskop, in dem Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft fließend  ineinander übergehen“, so der Tenor. Der Titel des Films ist eine Anspielung auf jenes berühmte Herder-Dictum aus den Briefen „zur Beförderung der Humanität“, das als Zitat auf dem Boden des Gedenkstätten-Rundgangs eingeprägt ist. Im Blickpunkt steht die Geschichte des Jüdischen Gotteshauses, das mit ca. 24 Metern Höhe zu den höchsten Gebäuden Darmstadts gehörte und Darmstadts Dächer überragte, am 23. Februar 1876, vor 137 Jahren, im Beisein der Großherzoglichen Hoheiten und zahlreicher Prominenz eingeweiht und im Darmstädter Novemberpogrom 1938 von SA und SS, vor 75 Jahren, geplündert, verwüstet, in Brand gesteckt und gesprengt wurde.

Aber auch die scheinbare wundersame Wiederkehr der Überreste des eindrucksvollen, überragenden Sakralbaus im Oktober 2003 auf dem Klinikumsgelände und damit eines Tatorts der NS-Verbrechen, vor 10 Jahren, steht im Fokus des Films. „Vor allem ist es mir wichtig, nicht nur schreiende, leblose Steine zu zeigen, sondern die Erinnerung an die Menschen, die einst im Gotteshaus beteten und in Darmstadt lebten und liebten, an die jüdischen Deutschen in unserer Stadt wachzurufen“,  so der Darmstädter Filmemacher Florian Steinwandter-Dierks (40), Regisseur, Drehbuchautor und Produzent des etwa 30-minütigen Films gegen das Vergessen. Der Dokumentarfilm seiner Produktionsfirma Loungefilm entstand in enger Kooperation mit dem Darmstädter Förderverein Liberale Synagoge, der sich als Lobby für eine aktive Erinnerungskultur begreift. Deren Vorsitzender, der Historiker und Herausgeber/Hauptautor des Buchs „Eine Zierde unserer Stadt“ über die Liberale Synagoge, Martin Frenzel, hat den Film maßgeblich als historischer Fachberater unterstützt, mit Blick auf die Recherchen und Textredaktion. Frenzel sorgte nicht zuletzt, dank seiner Recherchen und Kontakte, für die Beschaffung der Zeitzeugen, die den Darmstädter Novemberpogrom 1938 mit eigenen Augen ansahen.

Zwei dieser wertvollen Zeitzeugen spielen im Film eine Schlüsselrolle: Klaus Lingelbach und Wilhelm Wannemacher, die beide die brennende Liberale Synagoge in jener Nacht auf den 10. November 1938 sahen. Lingelbachs berührender Augenzeugenbericht von der brennenden Liberalen Synagoge und der Darmstädter Judenverfolgung geht ebenso unter die Haut wie Wannemachers Erzählung vom jüdischen Mädchen Ilse Simon aus Arheilgen, die aus ihrer Heimat von den Nazis gewaltsam vertrieben wurde: „Ich habe Ilse nie mehr wiedergesehen. Das sind Spuren, die man nie vergisst, die immer bleiben.“ „Das sind zwei von einem inzwischen halben Dutzend Zeitzeugen, die wir vom Förderverein Liberale Synagoge aufgetan haben und erstmals am 12. November in einem gemeinsamen Zeitzeugengespräch zu ‚1938‘ vereinen werden“, so Martin Frenzel, „Frauen und Männer, die die Liberale Synagoge mit eigenen Augen haben brennen sehen, die den Furor des Novemberpogroms 1938 hautnah miterlebten, die Judenverfolgung davor und danach.“

Für den Film „Wenn Steine aus der Mauer schreien: Die Liberale Synagoge – Zukunft braucht Erinnerung“ gebe es einen dreifach Anlass: „Die Präsentation des neuen Films über die Liberale Synagoge steht ganz im Zeichen des 75. Jahrestags des Darmstädter Novemberpogroms 1938, des 10. Jahrestags der Wiederentdeckung der Synagogen-Überreste im Oktober 2003, vor genau 10 Jahren, und des 70. Jahrestags der letzten Großdeportationen 1943 aus Darmstadt“, so Frenzel. Der Film erzählt Darmstädter Geschichte in bewegten (und bewegenden) Bildern, schildert – unterlegt mit zahlreichen historischen Fotos und zeitgenössischen Bildern – die Einweihung des prachtvollen Jüdischen Gotteshauses im Februar 1876 zu Großherzogs und Kaisers Zeiten durch den ersten Liberalen Rabbiner Dr. Julius Landsberger, der  in Darmstadt eine beinahe 25-jährige Ära als Großherzoglich-Hessischer Landesrabbiner prägte, bis zur Zerstörung durch die Nazis 1938.

Aber auch der scheinbar wundersame Fund der Überreste vom Oktober 2003, vor genau zehn Jahren, und die damaligen Akteure sind Teil der Handlung des Films. So sind der damalige Darmstädter Oberbürgermeister Peter Benz, der eigentliche Retter der Funde, der den Baustopp verhängte und die Schaffung einer Gedenkstätte durchsetzte, der Evangelische Pfarrer Rüdiger Grundmann, dessen Geistesgegenwart den Stein ins Rollen brachte und zur Rettung der Überreste beitrug, ebenso wie Johanna Fränkel vom Vorstand der Jüdischen Gemeinde zu sehen, die mit weiteren Mitgliedern der Gemeinde und Freunden in jenen Oktobertagen 2003 mit bloßen Händen versuchte, soviel wie möglich der kostbaren Säulen- und Zierrat-Überbleibsel vor den Baggern zu bewahren. Auch Nikolaus Heiss, der damalige Denkmalschützer der Stadt, der mit den Konservatoren vom Landesamt für Denkmalschutz zusammenarbeitete, kommt zu Wort. Martin Frenzel, Historiker, Gründer  und Vorsitzender des Fördervereins Liberale Synagoge, war von Oktober 2003 bis Mitte 2005 offizielles Mitglied des von OB Benz einberufenen Runden Tisches mit allen Beteiligten (Ärzte, Klinikumsleitung, Architekten, Jüdische Gemeinde, Stadt, Denkmalschutz), der die Konzeption der am 9. 11. 2009 eingeweihten städtischen Gedenkstätte Erinnerungsort Liberale Synagoge Darmstadt entwickelte.

Der Film lebt aber nicht nur von den Originaltönen der 1938-Zeitzeugen und Akteure vom Oktober 2003, sondern auch von einzigartigen Filmschnitten und Blickwinkeln, mit Sinn für Naturaufnahmen  und Details, wovon die Drehorte Zeugnis ablegen: So wartet der Film mit  Szenen aus der heutigen Gedenkstätte Liberale Synagoge, vom Arheilger Mühlchen, vom Garten der Erinnerung vor der Gedenkstätte (mit der Menora von Helmut Lortz und  dem Julius-Landsberger-Platz im Hintergrund) auf,  zeigt das Julius-Landsberger-Grab auf dem Jüdischen Friedhof Julius-in Bessungen in der Seekatzstraße, zeigt aber auch Nahaufnahmen von einer verkohlten Thorarolle aus der Pogromnacht 1938, die sich in der brennenden Synagoge befand, ein schönes grün-gelbes Originalfenster aus der Liberalen Synagoge, welches Kinder 1938 aus dem Feuerinferno retteten und das erst in den 1980er Jahren in die Neue Jüdische Gemeinde zurückgebracht wurde,  oder das gelungene Modell der Liberale Synagoge des Designers Christian Häussler von 2006, das heute in der Gemeinde zu sehen ist. Aber auch Darmstadt Rolle als brauner Hochburg und Deportationsort schildert der Film auf Güterbahnhof Darmstadt eindringliche Weise: So fährt die Kamera gegen Ende an den Gleisen vom entlang – jenen Gleisen, die von Darmstadt aus  in die Vernichtungslager führten, und zeigt das Denkzeichen Güterbahnhof, den Glaskubus mit 600 Namenssplittern im Innern, die stellvertretend für über 3.400 deportierte Darmstädterinnen und Darmstädter jüdischen Glaubens und Sinti-Familien stehen. Wie in einem Brennspiegel entsteht ein filmisches Stück Darmstädter Stadtgeschichte. Am Ende des Films sieht der Betrachter eins von vielen historischen Fotos der Liberalen Synagoge, nämlich jenes, auf dem das Gotteshaus die Dächer der Stadt überragt – „Sie war eine Zierde unserer Stadt“, heißt es resümierend aus dem Off. „Wir haben versucht, die Geschichte des Jüdischen Darmstadts und dieser eindrucksvollen Liberalen Synagoge in 30 Minuten zu erzählen, ein Porträt dieses Gotteshauses und  seiner Menschen zu schaffen,  und hoffen, dass uns dies gelungen ist“, sagt Filmemacher Florian Steinwandter-Dierks.

„Das ganze Projekt ist in monatelanger, rein ehrenamtlicher Arbeit entstanden und war ungemein zeitaufwendig“, betonen Filmemacher Florian Steinwandter-Dierks und Martin Frenzel vom  Förderverein Liberale Synagoge. Angefangen habe die enge Zusammenarbeit zwischen Loungefilm und Förderverein Liberale Synagoge  bereits im Januar/Februar 2012, als Steinwandter-Dierks, angeregt durch ein Feature des Darmstädter Stadtkulturmagazins „P“ über das ehrenamtliche Engagement des Fördervereins Liberale Synagoge, den persönlichen Kontakt zu Martin Frenzel suchte. Sprecher des Films ist der bekannte ZDF-Redakteur Christoph Schreiner, der ebenso zur besonderen Atmosphäre des Films beiträgt wie die einfühlsam-gefühlvollen, eingängigen  Klavierklänge, die die Filmmusik bilden.  „Aktive Erinnerungsarbeit erfordert Fingerspitzengefühl – und genau das stellt dieser Film unter Beweis“, so Martin Frenzel vom Förderverein Liberale Synagoge, „dies ist denn auch ein filmischer Beitrag zu einer geschichtsbewussten  Erinnerungskultur unserer Stadt, schon deswegen hat der Film für uns schon jetzt das Prädikat ‚Besonders wertvoll‘ verdient“.

Der Film „Wenn Steine aus der Mauer schreien: Die Liberale Synagoge – Zukunft braucht Erinnerung“ soll nach der Preview am Donnerstag 21. März 2013, abends im Rex-Programmkino (20.15h)  im Herbst 2013 (Oktober/November), zum Gedenken des 75. Jahrestags des Darmstädter Novemberpogroms 1938 und zum 10. Jahrestag der Wiederentdeckung der Überreste im Oktober mehrmals wieder öffentlich zu sehen sein. Die nächsten, vom Förderverein Liberale Synagoge organisierten, bereits jetzt feststehenden Termine sind: Dienstag, 8.Oktober 2013,  um 19.30 Uhr im Justus-Liebig-Haus (anlässlich der Podiumsrunde „Die Liberale Synagoge: 10 Jahre Fund und die Folgen“, 19.30 Uhr, Dienstag, 12.November 2013,  anlässlich der Zeitzeugen-Podiumsrunde „Als Darmstadts Synagogen brannten“ um 19.30 Uhr im Justus-Liebig-Haus, die ebenfalls vom Förderverein Liberale Synagoge veranstaltet wird. Zudem plant der Förderverein Liberale Synagoge, den Film nochmals in der Woche zwischen 7. und 14. November 2013im Rex-Kino Grafenstraße zu präsentieren. „Wir hoffen sehr, dass ein Öffentlich-Rechtlicher Sender den Film bald in sein Programm aufnimmt“, so der Tenor.  „Wir hoffen, dass möglichst viele Schulklassen den Film sehen“, so Martin Frenzel, Vorsitzender des Fördervereins Liberale Synagoge.“  Die Darmstädter Schulen und die der Region seien  herzlich eingeladen. Bei Interesse seien spezielle Schülervorführungen eigens für Schulklassen denkbar. Eine kostenpflichtig erhältliche DVD sei voraussichtlich für  2014/2015 geben, „sofern der Film – wie wir hoffen – auf positive Resonanz stößt“.

 

Filmemacher Florian Steinwandter-Dierks (Mitte), Klaus Lingeldein (re), Martin Frenzel (li) / Foto: FLS
Filmemacher Florian Steinwandter-Dierks (Mitte), Klaus Lingeldein (re), Martin Frenzel (li) / Foto: FLS
Zeitzeuge im Lib Syn-Film: Der Darmstädter Wilhelm Wannemacher (c) Loungefilm
Zeitzeuge im Lib Syn-Film: Der Darmstädter Wilhelm Wannemacher (c) Loungefilm
Fund Das Ewige Licht - Szene aus dem Lib Syn-Film / (c) Loungefilm
Fund Das Ewige Licht - Szene aus dem Lib Syn-Film / (c) Loungefilm

Filmen als Ehrenamt: Dokumentation über die Liberale Synagoge

Geschichte – Regisseur und Produzent Florian Steinwandter-Dierks und seine Dokumentation zur Liberalen Synagoge

Echo-Artikel von Paul Hermann Gruner / Darmstädter Echo 21.März 2013

 

Einen Film über ein Gebäude zu drehen, dass es nicht mehr gibt – das habe ihn gehörig gereizt, gibt Florian Steinwandter-Dierks unumwunden zu. Der 40 Jahre alte Darmstädter griff also im Frühjahr 2012 zum Telefon, rief Martin Frenzel an. Im Gespräch mit dem Vorsitzenden des Fördervereins Liberale Synagoge war nach kurzem Dialog die Absicht beschlossene Sache: ein Dokumentarfilm über die Liberale Synagoge.

 

„Wenn Steine aus der Mauer schreien“ ist also keine Auftragsproduktion des Vereins, sondern die Kooperation zweier engagierter Ehrenamtlicher. So viel Ehrenamt ist selten beim Film. Entweder gibt es Finanzmittel aus der Filmförderung oder vom Auftraggeber. Hier gab es weder noch. Aber Steinwandter-Dierks war zunächst auch der Ansicht, er drehe einen fünfminütigen Digitalfilm.

 

Aber erstens kommt es anders, als man will, und zweitens muss man Chancen nutzen: Martin Frenzel sorgte für Zeitzeugen und vermittelte Interviews mit Politikern und Experten für den Filmemacher. So wurden aus den fünf sehr schnell dreißig Minuten. Und bei denen blieb es nur dank ausgeprägter Disziplin: „Aus sechzehn bis siebzehn Stunden Material“, so der Regisseur, habe man auswählen können. Innerhalb eines Jahres entstand in sechs Wochen Arbeit (Skriptentwicklung, sieben Drehtage, eine Woche Schnitt) der Film mit dem Titel „Wenn Steine aus der Mauer schreien: Die Liberale Synagoge – Zukunft braucht Erinnerung“.

 

Der Haupttitel ist ein Zitat aus den Briefen „zur Beförderung der Humanität“ des aufklärerischen Dichters und Philosophen Johann Gottfried Herder (1744-1803). Tatsächlich befasst sich der Film vergleichsweise eingehend mit – Steinen. Das Meiste, was von der Liberalen Synagoge übrig blieb, sind jene Teile des gemauerten Fundaments, die auch heute noch in der im Klinikumsneubau eingerichteten Gedenkstätte zu sehen sind.

 

Weil man aber ein Gebäude, das nicht mehr existiert, schwer filmen kann und nur begrenzte Zeit Fotos, Steine, Fensterreste, kleine Messing-Fundstücke oder Teile der angebrannten Thora-Rolle als Ersatz dienen können, geht der Film produktive Umwege in der Beschreibung des einst so eindrucksvollen Sakralbaus.

 

Einer der Umwege führt über den ehemaligen Großherzoglich-Hessischen Landesrabbiner Julius Landsberger. Dieser hatte 1876 auch die Einweihung des Gotteshauses vorgenommen.

 

Ein anderer Umweg sind Erfahrungen von Zeitzeugen wie Wilhelm Wannemacher oder Klaus Lingelbach. Als die Synagoge in der Nacht zum 10. November brannte, ging Vater Lingelbach mit seinem sechsjährigen Sohn zur Bleichstraße: „Da gehe mer mal gucke.“ Und sie sahen, wie die Feuerwehr herumstand und nicht eingriff. Der Vater, Sozialdemokrat, habe sofort von Brandstiftung gesprochen, erinnert sich Klaus Lingelbach. Und einen Satz seines Vaters, auf dessen Schultern er gesessen habe beim Blick in die Flammen, habe sich ihm fast wörtlich eingeprägt: „Das kann kein gutes Ende nehmen, wenn man Gotteshäuser anzündet.“

 

Dritter Umweg: der Blick auf die Wiederentdeckung der Synagogenreste 2003. Vierter Umweg: Die Gänge zum Modell der Altstadt und der Liberalen Synagoge, angefertigt von Christian Häussler, zum Jüdischen Museum in der Neuen Synagoge, zum „Denkzeichen Güterbahnhof“, das an die Deportation aus der damaligen Landeshauptstadt Darmstadt erinnert.

 

Mit seiner durchweg eleganten Filmsprache, dem Einsatz der Filmmusik (bedeutungstragende Klavierthemen meist) und der erklärend und überleitend eingesetzten Off-Stimme (von ZDF-Redakteur Christoph Schreiner) gelingt Steinwandter-Dierks ein formal routiniertes, in seiner Expressivität empathisches Porträt nicht nur eines Gebäudes – sondern auch eines Stadtbildes, eines Zeitgeistes, einer Verlusterfahrung. Es soll künftig auch Schulen zur Verfügung stehen. Und verdiente allemal einen angemessenen Sendeparkplatz beim Hessischen Fernsehen.
Vorführtermine
Der Film „Wenn Steine aus der Mauer schreien“ ist in diesem Jahr noch mehrfach zu sehen, zwei Termine stehen fest: am 8. Oktober und 12. November , jeweils 19.30 Uhr im Justus-Liebig-Haus. Schulleitungen oder Lehrer, die Interesse an Filmvorführungen haben, wenden sich direkt an Martin Frenzel, Telefon 06151 99 26 804 oder 0176 249 858 79.

 

21. März 2013 | paul

 

Julius Landsberger zu Ehren

 

Im Dokumentarfilm zur Liberalen Synagoge hat auch der einstige Großherzoglich-Hessische Landesrabbiner Julius Landsberger (1819-1890) seinen Platz. Der Förderverein Liberale Synagoge möchte am Landsberger-Platz noch in diesem Jahr eine Gedenktafel zu Ehren des Rabbiners anbringen. Und startet hierfür eine Benefizkampagne. Erste Aktion: Eine musikalische Lesung mit Iris Stromberger, Irith Gabriely und Peter Przystaniak am Sonntag (24.) im Bessunger Jagdhofkeller. Beginn: 19.30 Uhr. Mehr Infos unter www.liberalesynagoge-darmstadt.de.

 

 

 

Filmen als Ehrenamt: Dokumentation über die Liberale Synagoge

 

Sie existierte seit 1876 und wurde 1938, vor rund 75 Jahren beim Novemberpogrom der Nationalsozialisten, geplündert, verwüstet, abgebrannt: die Liberale Synagoge Darmstadt in der Bleichstraße. Jetzt hat der Filmemacher Florian Steinwandter-Dierks eine Dokumentation über die Synagoge gedreht. „Wenn Steine aus der Mauer schreien“ heißt er und wurde am Donnerstag vorgestellt.

 

DARMSTÄDTER ECHO 22.03.2013

 

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Zukunft braucht Erinnerung

Förderverein Liberale Synagoge startet FLS-Kampagne: DARMSTADT braucht eine

Rabbi Bruno Italiener-Gedenktafel November 2017!

Rabbi Dr. Bruno Italiener (1881-1956)

Karl Heß-Platz eingeweiht am 15. Januar  2017

Rabbiner, Retter der Darmstädter Pessach-Haggadah, resoluter Kämpfer gegen den Antisemitismus.

FLS-Rundgang:

Jüdisches Darmstadt

Auf den Spuren der Liberalen Synagoge, eines NS-Verbrechens und Rabbi Dr. Bruno Italieners

Termin: Sonntag, 24. September 2017, 14.30 Uhr, Gedenkstätte, Klinikums, Zugang via Bleichstr. Höhe Gagernstr. oder Julius-Landsberger-Platz, Eintritt frei. Spenden für die Rabbi Dr. Bruno Italiener-Gedenktafel 2017 erbeten.

 

Der FLS lädt ein:

FLS-Rundgang: Mai 2017

Jüdisches Darmstadt

Auf den Spuren der Liberalen Synagoge, des Rabbiners Bruno Italiener und eines NS-Verbrechens

Termin: Sonntag, 22. Oktober 2017, 14.30 Uhr, Treffpunkt Eingang Gedenkstätte, Klinikumsgelände, Zugang Bleichstr. Höhe Gagernstr. Eintritt frei

Bürgerehrung 2014: OB Partsch, Martin Frenzel / Foto: Gabriele Claus (FLS)
Bürgerehrung 2014: OB Partsch, Martin Frenzel / Foto: Gabriele Claus (FLS)

Bürgerehrung 2014 für den FLS-Gründer & Vorsitzenden Martin Frenzel: Für jahrelanges, herausragendes Wirken in Sachen ehrenamtlicher Erinnerungsarbeit wurde Martin Frenzel am 30. April 2014 in der Orangerie mit der Ehrenurkunde für verdiente Bürger der Wissenschaftsstadt Darmstadt ausgezeichnet. Mehr unter Pressespiegel/Wir über uns. 

Der Förderverein Liberale Synagoge hat  zudem am 20.Mai 2014 den 2. Preis GESICHT ZEIGEN  für Zivilcourage und gegen Rassimus 2014 erhalten. Die Verleihung fand im Justus-Liebig-Haus durch die Wissenschaftsstadt Darmstadt statt. Der Preis wurde in Anerkennung des ehrenamtlich-erinnerungskulturellen Engagements für ein weltoffenes Darmstadt durch Oberbürgermeister Partsch vergeben.

OB Partsch überreicht den GESICHT ZEIGEN!-Preis an FLS-Vorsitzender Martin Frenzel Foto: Gabriele Claus
OB Partsch überreicht den GESICHT ZEIGEN!-Preis an FLS-Vorsitzender Martin Frenzel Foto: Gabriele Claus

Der FÖRDERVEREIN LIBERALE SYNAGOGE DARMSTADT e.V. hat "für sein besonderes

Engagement" in Sachen aktiver Erinnerungskultur den Ludwig-Metzger-
Anerkennungs-preis 2013 erhalten.

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